Ranstadt von 1945 bis 1962 -
Bewegende Jahre des Wandels vom Bauerndorf zur Industriegemeinde

von Michael Strecker

In Otto Engels Amtszeit von 1945 bis 1962 veränderte sich Ranstadt fundamental und entwickelte sich von einem Bauerndorf zur Industriegemeinde. Engel hatte die Erinnerungen an seine Zeit als Bürgermeister der Gemeinde Ranstadt in einer Mischung aus Autobiographie und Jahreschronik festgehalten. Diese Aufzeichnungen mit dem Titel „Unsere Gemeinde im Zeitgeschehen“ galten als verschollen, wurden jedoch im Jahr 2010 wieder aufgefunden. Für den Autor Michael Strecker bildeten sie den Kern seiner Darstellung der Geschichte Ranstadts in dieser Zeit. Ergänzt hat er sie durch Äußerungen aus Otto Engels Tätigkeitsberichten, Schriftwechseln mit den hessischen Ministerien oder anderen Behörden sowie durch weitere Quellen aus dem Gemeindearchiv in Ranstadt. Daneben kommen andere Zeitzeugen oder Quellen zu Wort.

Die Entwicklung der Firma Hassia war ab 1953 von überragender Bedeutung für die Gemeinde Ranstadt. Aus diesem Grund wird die Gründung und Entwicklung des jungen Unternehmens in den ersten Jahren ausführlich dargestellt. Hierzu werden Ausführungen von Otto Engel und Karl Klein wiedergegeben, die sich in den Beständen des Staatsarchivs in Wiesbaden befinden. Außerdem konnten in Zeitzeugengesprächen mit Ingenieuren der 50er Jahre einige technische Details der ersten Maschinen der Hassia sowie einige Facetten der Persönlichkeit Karl Kleins in Erfahrung gebracht werden. Da die Ranstädter Wirtschaftsbetriebe insgesamt für das tägliche Leben der Ranstädter von allergrößter Bedeutung waren, werden in diesem Kapitel neben der Hassia auch andere Betriebe, wie etwa das Hofgut, dargestellt.

Mit diesen Aufzeichnungen reisen wir gedanklich in die frühe Nachkriegszeit. Die verheerende militärische Niederlage liegt nur kurze Zeit zurück. Die amerikanische Besatzung ist allgegenwärtig. Die Menschen sind damit beschäftigt, ihren beschwerlichen Alltag zu organisieren. Es ist eine Zeit bitteren Mangels. Nur allmählich gelingt es, in Wirtschaft und Gesellschaft wieder neues Leben zu erwecken. Die Demokratisierung startet mühsam. Fragen nach Schuld und Verantwortung für die Verbrechen der nationalsozialistischen Ära werden aufgeworfen.

Die 50er Jahre hingegen sind in vielem der Beginn der heutigen modernen Gesellschaft: Das Fernsehen erobert die Wohnzimmer, der Automobilboom beginnt. Am Beginn dieses Jahrzehnts stand im Jahr 1950 die Abschaffung der Lebensmittelkarten. Am Ende, im Jahr 1960, treten die „Beatles“ erstmals auf. Diese beiden Endpunkte mögen verdeutlichen, dass zwischen 1950 und 1960 nur rechnerisch zehn Jahre liegen – „gefühlt“, wie man heute sagt, ist die Zeitspanne wesentlich größer.

254 Seiten, Paperback, 114 Bilder

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