Von der mittelalterlichen Geschichte Büdingens ist oft die Rede. Mit dem Baudatum der Remigiuskirche von 1047 setzte man bisher den ersten Nachweis der Besiedlung Büdingens fest. Der Jahrhundertfund des „Keltenfürsten“ hat die Gegend östlich von Altenstadt ins Zentrum keltischer Siedlungsbeobachtung gestellt. Doch Fürsten siedeln selten allein. Ihre direkten Machtgebiete sind in größere Siedlungszusammenhänge eingebunden. Der Platz um den Kreischborn im Großendorf von Büdingen dürfte einer davon gewesen sein. Dort liegen die keltischen Wurzeln Büdingens.

Der Kreischborn ist ein Brunnen, um den sich viele Mythen ranken. Er spielt auch die Hauptrolle bei der Entdeckung eines lange verborgenen Fundes. Viele Jahre wurden die 2006 aufgetauchten Fundstücke im Unterricht eingesetzt, nun brachte der Zufall diesen Fund an den Tag, durch den Büdingen 1000 Jahre älter wurde. Ein Gürtelglied - aus der Zeit der Latene-Kultur - aus einem Brunnen an der Remigiuskirche. Ein vergleichbarer Fund wurde nur noch bei Berstadt in der Wetterau gemacht.

In der neuen Veröffentlichung der Geschichtswerkstatt Büdingen stellt Dr. Walter Nieß präzise den Fund aus dem Kreischborn vor. Mit der Einordnung in ein mögliches keltisches Bezugssystem in unserem Raum und der Herausarbeitung keltischer Ursprünge noch heute gebräuchlicher Flurnamen in Büdingen wird der größere Zusammenhang, in dem der Kreischborn-Fund steht, deutlich.

Brunnen waren schon bei den Kelten mystische Orte. Spannend die Frage nach der Herkunft des Kettenglieds. Wer war seine Trägerin? Warum wurde es in den Brunnen geworfen? Die Thesen von Dr. Walter Nieß geben Stoff zum Nachdenken, stellen alte Denkmuster in Frage.

Östlich der Remigiuskirche liegt der Junkernhof. Vielen in Büdingen als Sitz eines landwirtschaftlichen Betriebs bis zu dessen Abriss 1972 bekannt. Wenige wissen, dass im 17. Jahrhundert mit J. J. Hartlieb einer der brutalsten Verfolger vieler Unschuldiger dort seinen Amtssitz hatte. Mit dem „Fall Diel Bröll“ schließt sich der Kreis zum keltischen Erbe Büdingens. Die Prozesse, Verhöre und Folterungen zwischen 1628 und 1632 eines „weisen Mannes“ aus Calbach, werden in der wissenschaftlichen Aufarbeitung der Hexenverfolgung weit über die Grenzen Büdingens hinaus immer wieder aufgegriffen. Die hierbei zustande gekommenen Aussagen Diel Brölls vermengen christlichem Glauben mit heidnischen Sagenelementen, die zu dieser Zeit noch gegenwärtig waren. Die Berichte über die Verhöre fallen nicht nur durch ihre mythologischen Aussagen auf, diese Prozesse dürften auch der Anfang einer Hexenpsychose nie gekannten Ausmaßes in der Stadt Büdingen gewesen sein. In den Jahren 1633/34 fand in Büdingen und Eckartshausen die wohl umfangreichste Hexenverfolgung in der Wetterau statt, welche zu einem traurigen Rekord des Hexenwahns führte.

97 Seiten, Paperback, 9 Fotos, 5 Zeichnungen, 4 Pläne

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